Winter!

np: Die Toten Hosen – Die Fliege

Ich hatte es ja selbst nicht mehr geglaubt, aber der Winter creept jetzt tatsächlich wieder durch die Hood.

Kurzentschlossen hatte ich vor Wochen schon die dicke Daunenjacke in den Schrank gesteckt und gegen meine Frühlingsweste eingetauscht, die dicken Schneestiefel im Anerkennen der Erderwärmung aus dem Fenster geworfen und mir ein Paar Gamaschen gekauft, ja selbst meine flotten Frottee-Baumwollschlüpfer habe ich unserer Hausverwalterin vermacht, weil sie’s an den Nieren hat, und sogar meine heißbegehrte Teebeutelsammlung an den Höchstbietenden bei eBay versteigert. Und kaum bin ich stolzer Besitzer von Zwölfeurovierundfünfzich und denke mir noch, jetzt ausnahmsweise mal einen drauf machen zu können, da klopft der Winter doch noch an meine Türe, bittet ganz reumütig um Verzeihung, lässt eine Litanei von Schuldzuweisungen und Ausreden los und verspricht, sich jetzt aber noch mal so richtig Mühe zu geben.

“Toll”, hab’ ich ihm gesagt, “das ist ja toll von dir, Winter, also ich hatte schon gar nicht mehr mit dir gerechnet. Wie soll ich mich denn jetzt damit fühlen? Das ist jetzt so, als würdest du auf deine langweilige alte adipöse Tante warten, die dir sowieso gerade nicht ganz geheuer ist, und sie würde sich verspäten, ja, und du rechnest schon nicht mehr mit ihr und isst den Kuchen alleine auf und trinkst den Kaffee alleine aus und dann kommt sie doch, verspricht dafür aber umso länger zu bleiben, während du darauf gar nicht mehr vorbereitet bist und eigtl nur noch darauf wartest, dass sie wieder verschwindet, und sie dir deshalb für eine gefühlte Ewigkeit insgeheim vorwurfsvolle Blicke zuwirft und du dich unangenehm berührt fühlst. Ja, das ist ja jetzt ganz toll, Winter.”

Da stutzte er schon. Hat zugegeben, dass er manchmal kälter rüberkommt, als er eigentlich möchte, und dass er mit der ganzen Ablehnung ihm gegenüber auch nicht so gut klarkommt. Er wand sich noch ein bisschen, aber dann hat er mir einfach die Faust drauf gegeben, mit mir eingeschlagen und mir in die Augen gesehen und versprochen, dafür wolle er mir gute Zeiten verschaffen. Ich habe mich zwar gewundert, ihm aber geglaubt und was soll ich sagen? Jetzt sind wir down miteinander. Die ganze Kälte, der ganze Alltagsschmu, die beliebigen Sorgen und die eigene Scheiße, wer stört sich denn daran? Das Leben ist schön.

 
Tipp für heute: Menschen verzeihen, die keine Texte über Diätmarmelade und Brechdurchfälle schreiben.

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Eine Antwort auf Winter!

  1. Sarah sagt:

    Ich finds schön, dass es noch mal kalt geworden ist :) allerdings hat der Winter in Bremen mir meinen geliebten Schnee verwehrt – muss ich halt doch noch mal nach Finnland reisen.

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