Die Dinge zu tun

np: Weena Morloch – Schande

Schon mal Luftschlösser gebaut? Riesige, imposante Bauten mit hauseigenen Wasserrutschen vom zehnten Stock quer durch die Zimmer bis hinunter in den Swimming Pool im Weinkeller? Wahlweise mit Weiche, die im Sommer zum Gartensee abzweigt, horizontalvertikalen Fahrstuhlschächten und Hängematte-Spielwiese, aufgehängt zwischen den vielen kleinen Türmchen?

Solche schönen Vorstellungen kann man nach Belieben weiter ausbauen, man überlegt, was für die Zwischenschritte notwendig, vieles ja tatsächlich machbar wäre. Wenn man nur dieses und jenes und auf halber Strecke hat man sich und einen weiteren Tag dann schon verloren. Die Dinge tatsächlich zu tun, ist etwas ganz anderes; jede/r ProkrastinatorIn kann ein Lied davon singen. Dabei ist es vollkommen albern, wie sehr wir uns in eventuellen Ausflüchten und Zukunftsplänen wähnen und uns währenddessen scheiße fühlen. Und, vor allem, jedes Mal erneut feststellen, wie gut es sich anfühlt, anzupacken und etwas zu Ende zu bringen. Großmutters “Erst die Arbeit, dann das Vergnügen!” ist ‘ne typische Binsenweisheit, sie aber verwirklicht zu wissen, ohne sie zum Selbstzweck verkommen zu lassen, ohne zum Spießer zu werden, ist ‘ne Kunst für sich. Den Spaß daran zu entdecken, verschweigt sie vermutlich wissentlich, das muss wohl jede/r im Zuge des Erwachsenwerdens für sich entdecken. Komisch ist nur, dass uns die Löcher des ungenießbaren Müßiggangs (nicht zu verwechseln mit der Wonne des wohlwollenden Müßiggangs) immer wieder runterreißen. “Gute Zeiten, schlechte Zeiten”, wie wahr und prägnant schon die Titel banalster Fernsehsendungen sein können. Sollte mir das Angst einflößen? Mich von meinem hohen Ross hinunterstoßen? Ach, das passiert ja auch so schon, ich vergaß.

Darf ich jetzt mit noch mehr Phrasen um mich schmeißen, ohne mich in der Ecke zu schämen, oder missbrauche ich den vorhergehenden Absatz damit? Oder sollte man einfach häufiger im Leben den Mut zur Banalität haben? Zu machen anstatt zu denken? Einleitende Worte wie “Ich weiß, es ist an sich ‘ne hohle Phrase, aber manchmal stimmt…” sind fast so klischeeträchtig wie der Ausspruch darauf; sie sind sogar erst recht unerträglich, wenn die aussagende Person sich dabei auch noch besonders intelligent gibt. “It’s not over until it’s over” ist so schlicht wie wahr, aber wir verkomplizieren die Dinge ja lieber. Um uns selbst einen höheren Wert zuzuweisen? Wir sind doch so individuell! Mit der richtigen Freude am Sein an sich sind die meisten Sachen erträglich, insbesondere in Sachen Arbeit. Kaum etwas ist so lindernd wie die richtige Portion Selbstironie, wenn’s einem nach objektivem Maßstab scheiße geht. Das geht wohl aber nur, wenn man sich selbst ‘n bisschen okay findet. Oha. “Nur wer sich selbst liebt, kann andere lieben.” – ohne mich über die verschiedenen Qualitäten und Dimensionen von Liebe streiten zu wollen, anwendbar auf vielfältige Formen des Lebens ist es ja auf jeden Fall. Manchmal wünschte ich nur, dass Binsenweisheiten selbst sprechen könnten. Sie würde ich dann fragen, ob egoistische Arschlöcher auch unter diese Kategorie fallen. “Mit dem Wissen wächst der Zweifel”, es ist überwältigend. So kann man ewig in dem Kreis festhängen. Was hilft? Dinge einfach zu tun.

 
Tipp für heute: Öfter mal auf Omi hören.

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