Ich würde mit dir gern ‘ne Flasche Rotwein trinken

oder Weißwein, ganz egal. Sag, wann haben wir uns das letzte Mal richtig unterhalten? Haben wir das überhaupt schon einmal getan? Nein? Scheißegal! Lass uns einfach in die Küche setzen und quatschen und es dunkel werden lassen, ich würde dich gerne kennenlernen. Und das nicht nur durch das oberflächliche Geschwätz. Wir könnten uns von dem Stress am Tag mit so manch unsäglichem Wichser, den Sorgen und den Hoffnungen erzählen, von dicken Busfahrern, die uns das Biertrinken im Bus verbieten und einen aber gut gelaunt wecken, falls das Missgeschick mal wieder passiert, darin einzuschlafen. Von dem Quatsch, der alltäglich passiert, und unserer Unfähigkeit, das alles in Stunden der Einsamkeit leichthin zu ertragen. Von den Ängsten des Alleinseins, von der Freiheit der Vögel und dem berauschenden Gefühl, allen Regeln zu trotzen, von unserer Verletzlichkeit und der Härte, die wir uns aus der Not des Nichtstunkönnens heraus angeeignet haben. Von den Plänen und Gedanken, all den Konstrukten und Schranken. Vom Glücklichsein, der Freude, dem Spaß an der Existenz, dem letzten verpatzten Date, der Hochzeit des verrückten Onkels, der Situationskomik auf dem Arbeitsamt. Und wenn die Flasche sich dann dem Ende neigt, machen wir ‘ne zweite und ‘ne dritte auf, ich bin da nicht so, weißt du. Aber wieso sollten wir uns davon abhalten? Ja, du musst morgen eigentlich wieder früher raus und ich hab’ auch noch einiges zu tun, das müssen wir ständig, aber mit der Unvernunft kann ich leben, und was schadet das bisschen Müdigkeit? Wir könnten dem Begriff der Freundschaft gerecht werden. Es gibt so viele große und kleine Geschichten unserer Wege, wie Mutter die Menstruation erklärte oder Vater seine Pornos wiederholte; und was scheren uns die Tabus all der Ellenbogenwettstreitfotzen. Wenn du Bock hast, komm’ ich rum oder wir ziehen durch die Kneipen, üble Spelunken beherbergen interessante Gestalten. Oder wir klettern auf das nächste Gerüst, von wo aus wir die ganze Stadt überblicken können. Ich bin dabei. Wie angstfrei bist du? Lass uns mal, mal wieder?, ‘ne Flasche Wein trinken. Sag’, wenn du Lust hast, ich fänd’s gut.

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5 Antworten auf Ich würde mit dir gern ‘ne Flasche Rotwein trinken

  1. steppenwolfderzweite sagt:

    dabei! aber lieber mit weißwein!

  2. Sarah sagt:

    Da wär ich auch sofort dabei :)

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