Gott hasst uns alle

Lied des Moments: The Strokes – Under Cover of Darkness

(Es gibt übrigens ein Update im Schalltempel!)

Erstmal möchte ich an dieser Stelle etwas beruhigen:

1. Nein, das wird kein religiöser Beitrag.

2. Nein, ich habe mich nicht zum grenzenlosen Pessimisten gewandelt.

Es handelt sich hier lediglich um eine Buchkritik. Und zwar unternehme ich den anmaßenden Versuch das Werk eines meiner Lieblingsautoren zu analysieren: Uns allen (hoffentlich) bekannt aus der vier Staffel langen Serie “Californication”, schrieb Hank Moody (David Duchovny, “Akte X”) folgendes:

In der Serie ist dies das Buch, welches Hank Moody zum Durchbruch verhilft und letztendlich auch sehr schlecht verfilmt wird (“A crazy little thing called love”). Das widerum treibt Hank konstant in den Wahnsinn, obwohl der Film sehr erfolgreich war.

Da ja Serienmacher sehr geschickt im Umgang mit Marketingmitteln sind, dachten sich die Herren von Californication, dass es eine wirklich gute Idee wäre, dieses Buch auf den Markt zu bringen. Fand ich übrigens auch.
Nachdem ich also relativ mäßig begeisterte Kritiken dazu las, dachte ich mir, ich bilde mir meine eigene Meinung. Und die lautet wie folgt:

Naturgemäß, dämpfen wenig begeisterte Kritiken die Erwartungen. Was in vielerlei Hinsicht auch gut ist. Denn es war mir mehr oder weniger klar – ich denke ich nehme da nicht allzu viel vorweg – dass dieses Buch unmöglich an die Qualität der Serie heranreichen kann. Aber trotzdem kann man ja von den sehr gut durchdachten Dialogen der Serie auf eine gewisse Qualität schließen.

Das knapp 200 Seiten lange Buch handelt von der Geschichte eines mäßig erfolgreichen jungen Mannes, der in der Gastronomie arbeitet, nachdem er die Universität abgebrochen hat. Soll heißen er ist Kellner und wohnt Zuhause. Es beginnt mit der Geschichte einer “Romanze” zwischen dem Protagonisten und einer gewissen Nancy. Hauptsächlich nehmen sie Drogen fahren durch die Gegend und beleidigen und bebeischlafen (© Danny) sich. Als Nancy dem Protagonisten (nennen wir ihn mal Hank) in einem Drogenrausch mehrere unschöne Stichwunden zufügt, trennen sich vorerst ihre Wege.
Da Hank nicht mehr Zuhause wohnen will und mit Nancy nicht mehr zusammen wohnen kann, zieht er in das Chelsea Hotel in New York. Er stolpert mehr oder weniger zufällig in einen Job als Drogenhändler, was ihm die Türen zur “High Society” New Yorks öffnet. Zwangsläufig lernt er dort auch Models kennen, vor allem “K.”, die ihm fortan nicht mehr aus dem Kopf geht und der er sogar bis nach Südkorea folgt.

Das Buch ist in einem unverkennbaren “Hank-Moody”-Stil geschrieben. Der Wortwitz ist nahezu der gleiche, wie man ihn erwartet. Er ist schonungslos, provokant und auch wirklich witzig. Er spricht erfrischend ehrlich, aber viel, viel zu selten gesellschaftliche Probleme an. Alles in allem, ist das Buch viel mehr auf die Selbstdarstellung des Protagonisten ausgelegt. Der Titel (benannt nach dem gleichnamigen “Slayer” Album, wie alle Bücher von Moody) ist einfach nur irreführend und hat wenig Bezug zu dem Inhalt. Jonathan Grotenstein – dem Mann hinter dem Pseudonym – gelingt es, dass der Leser permanent einen jungen Hank Moody vor Augen hat, der allerdings noch sehr viel weniger Selbstbewusstsein und Erfolg hat. Er geht ziel- und orientierungslos durch das Leben.
Grotenstein hat bisher ein Buch über das Pokern veröffentlicht.

Leider nimmt das Buch ab einem gewissen Zeitpunkt derart absurde Wendungen, dass es schwierig ist, es ernst zu nehmen. Der junge Hank fängt an irrationale Entscheidungen zu treffen, die man zwar auch vom Serien-Moody erwarten könnte, aber im Gesamtkontext keinen Sinn ergeben. Das kann man natürlich auf seine damalige Jugend schieben, allerdings erweckt es viel eher den Eindruck, dass der Autor unbedingt etwas hirnrissiges schreiben möchte. Es ist zu offensichtlich, dass die wenig tiefgehende Story an dieser Stelle eine unrealistische Wendung nehmen muss. Daher ist sie, mag sie noch so seltsam sein, einfach schwer zu glauben. Es wirkt “gewollt” und verhindert eine wirklich, wirklich gute Bewertung.
Darüber hinaus bekommt der Leser unweigerlich den Eindruck, dass Grotenstein sich an Salingers “The Catcher in the Rye” (Der Fänger im Roggen), sowohl stilistisch als auch inhaltlich bedient hat.
Auch wenn das Buch unterhaltsam ist, fehlt das gewisse etwas, was den Hype in der Serie rechtfertigen würde. Es ist unglaubwürdig, dass gerade dieses Buch für soviel Furore gesorgt haben soll. Da müssen sich die Serienerfinder einfach an den eigens provozierten Ansprüchen messen lassen. Deswegen ist es schwer zu verhindern, dass das Buch einen bitteren, enttäuschenden Nachgeschmack hinterlässt, auch wenn es über weite Strecken Unterhaltsam ist.
Wie auch in der Serie hat der Leser permanent eine Mischung aus Sympathie und Mitleid mit dem jungen Hank, was Serienfans unweigerlich an das Buch bindet. Ob neutrale Leser, die sich nicht für die Serie interessieren ebenso faszinieren lassen, ist fraglich.

Fazit:                                                                       7 / 10 Punkten

Das Buch kann nicht wirklich die Erwartungen an ein von Hank Moody geschriebens Werk erfüllen. Zu sehr bleibt der stete Beigeschmack, dass das Buch ein Marketingequivalent zu einem Plüschyoda für Star Wars ist. Um sich gänzlich von diesem Gedanken zu befreien, hätte das Buch einfach mehr Klasse und Tiefgang benötigt.
Ich habe nicht erwartet, dass das Buch an die Schlagfertigkeit der Serie heranreicht. Aber es lohnt sich auf jeden Fall es zu lesen. Vor allem für Fans ist der Schreibstil sehr unterhaltsam und man verknüpft die Hauptfigur unweigerlich mit dem Serienhauptdarsteller.
Es ist über weite Strecken fesselnd und zu keiner Zeit langweilig. Teilweise ist es auch ganz angenehm, dass man als Leser über einiges im Unklaren gelassen wird. Aber eben nur teilweise.
Schlußendlich bin ich sehr froh, dass die Idee, das Buch herauszubringen entstanden ist. Vielleicht muss man sich für eine wirklich objektive Bewertung auch mal gänzlich von der Serie distanzieren. Das war mir jetzt nicht so möglich und es hat auch zu meiner Unterhaltung beigetragen, dass ich Figuren aus der Serie vor Augen hatte. Vor allen Dingen ist es ein wesentlich angenehmerer Werbegag als ein Plüschyoda.

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4 Antworten auf Gott hasst uns alle

  1. Marian sagt:

    Nette Kritik :).

    Aber ich hätte gerne einen Plüschyoda!

  2. Danny sagt:

    Ja gut das kann ich auch verstehen :D

  3. pondo sagt:

    … “Gott hasst uns alle” ist einfach ein super Titel. Ich wünschte fast, ich hätte ein Buch oder eben Album mit ebenjenem Titel herausgebracht. :D
    Ich will das Buch jetzt lesen! Aber vllt sollt icha uch erstmal die anderen drölftausend Bücher auf meinem Nachttisch abarbeiten. Catcher in the Rye müsst ich auch noch n zweites Mal lesen, lange her. Weiß nicht genau. Leih’s mir aus!

  4. Lizaswerm sagt:

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