subjektiv

Das eine Ich sitzt dem andern Ich gegenüber.

… “aber du weißt nicht, was du tun sollst?” Vorgenommenes umzusetzen, mag das andere sein. Aber es ist schade, vergisst man das Träumen von Geschichten. Und seien es die allerkleinsten.
Ich mein’, schau’ dich nur in deinem Zimmer um, ich tu’s in meinem.

Ich sehe Regale voller Bücher und jedes einzelne lädt ein zu träumen von den grundverschiedenen Geschichten, die sie erzählen und die sie als Gegenstände selbst erlebt haben – viele sind im Antiquariat erstanden. Hat ein alter Hofherr sie besessen, der aus ihnen seiner jüngst verstorbenen Nichte vorgelesen hat? Im okkulten Turmzimmer seines weitläufigen Anwegens gelagert hat? Hat die Drogentote von gar nicht allzu weit weg damit ihre Todessehnsucht zu stillen versucht, ihren beschissenen Alltag ignorierend? Dazu muss es die anderen Protagonisten aus den vielen Büchern wahnsinnig machen, dass ihre Sicht der Dinge nicht den Weg in die Zeilen jener Bücher fand. Sollte vielleicht mal geschrieben werden – Urheberrecht scheint doch eh überholt.

Ach ja, jetzt liest du nicht, erzählst du mir. Scheißegal! Was ist mit dem Apfel dort auf dem Tisch, der aus Neu Seeland importiert wurde. Wurde er von einarmigen Bauernsjungen gepflückt oder doch von wohlsituierten Bauern auf dem Lande? Haben zahnlose Hafenarbeiter ihn mit dem alten Dampfer verschickt, der noch im Mittelalter die Pest überstanden hatte? Haben Ratten und Sklaven an den Kisten geknabbert? Während nebendran der alte Kapitän bei Kerzenschein mit der notdürftigen Schiffsbrüchigen tanzte. Wer weiß das!
Was ist mit dem Fernseher aus China, der so schön die Zimmerecke vervollständigt, dessen Einzelteile vermutlich nicht abbaubar und umweltverschmutzend sind, aber wen schert das schon. Wer denkt schon über die Geschichten nach, in denen Menschen an dreckigen Gewässern und an verseuchten Boden gestorben sind. Ihre Eltern, die Erlebnisse ihrer Kinder, Freundschaft, Feindschaft, Not und Freude, solche Geschichten hört man ja zu oft. An das Geld, das Arbeiter in den Schwellenländern an ihnen erwirtschafteten, um ihrerseits Familien ihres Kreises in die neue Mittelschicht zu helfen. Die sich ihrer Verdienste erfreuen, um damit mal richtig einen saufen zu gehen und das Leben zu feiern.

Zu abstrakt, okay. Aber was ist mit deiner Gästematratze, die hinter dem Bett dort lehnt? Wie viele Menschen haben darauf schon genächtigt? Und darauf schon getrieben – kann man alles wissen? Die reine Couchsurferin hat sich vielleicht auf der Bahnhofstoilette vom Freund eines Freundes einen Tripper eingefangen, den sie nun, ob bewusst oder unbewusst, großzügig mit dir teilt. Wie viele Menschen saßen schon auf deinem Gäste-Klappstuhl und wie viele DVDs wurden schon in deinem Zimmer geschaut? Was für Gefühle wurden durch sie in deinen Freunden ausgelöst?

Stell dir vor: Du schlägst einen entspannten Fernsehabend bei Gemütlichkeitsbieren vor, während dein Kumpane sich schon seit langem gesagt hat, endlich aufzuhören mit dem Trinken. Der dann innerlich weint und äußerlich über die Scheißschlampe lacht, die ihr Leben nicht auf die Reihe kriegt. Macht Spaß, weinend zu feiern. Oder über den scheinbar unsensiblen Arsch nachzudenken, der sorgenfrei durchs Leben geht.

So nebenbei, was ist mit der Wasserpfeife? Ich will ja gar nicht voller Nostalgie an die guten alten Geschichten erinnern, die mit Freunden zugedröhnt verlebt wurden. Auch wenn es großartige Zeiten waren! Nein, was ist mit den Bakterien, die sich langsam, doch zuversichtlich in ihr festgesetzt haben und deine Welt aus vollkommen anderen Augen sehen? Keine Ahnung, wie viele Lebewesen deine tägliche Onanie beobachten.

Oder hey, die gebrauchten Tickets vergangener Konzerte an der Wand. Oder dein Kleiderschrank aus Holz. Oder der Teppich unter deinen Füßen. Die leeren Bierflaschen in deiner Pfandecke. Geschichten, ja Geschichten lauern überall.

 

Tipp für heute: Ob ‘ne alte zu erzählen oder neue zu erleben, für eine gute Geschichte ist immer Zeit.

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5 Antworten auf subjektiv

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